Schüler- Multiplikatoren- Projekt zur Suchtprävention


1.) Die Ausgangssituation

Wegen der sich verschärfenden Suchtproblematik hat in den letzten Jahren Suchtprävention im Bereich der allgemeinen Gesundheitserziehung an den Schulen wesentlich an Bedeutung gewonnen.

Suchtprävention an Schulen muss prozesshaft und kontinuierlich sein. Sie sollte das ganze System Schule einbeziehen und die Zielgruppe der Schüler auch möglichst umfassend erreichen. Die Praxis zeigt, dass dies aus unterschiedlichen Gründen nur schwer zu realisieren ist.

Das Schüler-Multiplikatoren-Projekt versucht, diese Schwachstellen bisheriger Präventionsarbeit zu verringern.

 

2.) Ziele

Es wird angestrebt, Einstellungen, Werte und Normen bei Schülern zu fördern, die dem Missbrauch von Suchtmitteln entgegenwirken.

Ein zentrales Ziel dieses Schüler-Multiplikatoren-Projektes ist die Befähigung von ausgewählten, sozial einflussreichen Schülern, Standpunkte im obengenannten Sinne in ihrem sozialen Umfeld zu vertreten.

Mit der Hilfe etwa gleichaltriger Multiplikatoren sollen die Eigenverantwortung der SchülerInnen gestärkt und gesundheitliche Risiken reduziert werden.

 

3.) Suchtprävention und Peer Education

Es soll also darum gehen, Einstellungen von SchülerInnen zu ändern.

Nun stellt sich aber die Frage, wie wir mit diesen Ansprüchen überhaupt an die Jugendlichen herankommen.

Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche ab der 7. Klasse immer weniger Zeit in der Familie verbringen. Zudem avanciert ab der 8. Klasse der Freund oder die Freundin zur ersten Vertrauensperson, mit der man alles beredet und Problemlösungen versucht. In der BRD wird der Einsatz von "Peers" derzeit in der Suchtprävention und der Sexualaufklärung erprobt.

Die Arbeitshypothese lautet hier:

 

Sozial einflussreiche Schüler, die eine suchtkritische Einstellung haben, wirken in ihrer Peer-Group suchtpräventiv!

Ohne näher auf das pädagogische Konzept der Peer-Education eingehen zu wollen, bedeutet dies verkürzt:

SchülerInnen werden ausgebildet, um im System Schule Aufgaben im Sinne der Suchtprävention zu übernehmen, mit dem Ziel, eine größere Anzahl von SchülerInnen kontinuierlich zu erreichen.

Peer-education kann aber nicht reparieren, was anderswo versäumt wurde. Sie kann die Verantwortung von Eltern und Schule nicht ersetzen sondern die pädagogische Arbeit nur ergänzen.

 

4.) Zur Methodik

Programmpunkte der Ausbildung sind u.a.:

  • Informationen über Alltagsdrogen und illegale Drogen
  • Suchtdynamik
  • persönliche Auseinandersetzung
  • Entwicklung von Strategien im Umgang mit Betroffenen
  • Grenzen der Hilfe
  • Interaktionsformen
  • Umgang mit Frustrationen
  • Kommunikation mit Suchtberatungslehrer und Schule
  • Hilfesysteme: hier ist an eine Zusammenarbeit mit Suchtberatung, Suchtklinik und Ex-Usern gedacht

 

5.) Mögliche Formen der Umsetzung an der Schule

Gespräche in Alltagssituationen sind das primäre Wirkungsfeld der Schüler-Multiplikatoren.

Darüber hinaus können sie in folgenden Bereichen mitarbeiten:

  • bei Informationsveranstaltungen in der 7. und 8. Jahrgangsstufe,
  • in Diskussionsrunden,
  • bei der Initiierung von Aktionen, z.B. Theaterstücke, Workshops,
  • durch Mitarbeit in Projekten zur Suchtprävention.
  •  

6.) Durchführung des Projekts

1997-1998 wurden in Kooperation zwischen der zuständigen Fachkraft für Suchtprävention, der Suchtberatungslehrerin und dem Schulsozialarbeiter

12 SchülerInnen der Klasse 10 wie beschrieben ausgebildet.

Ein Teil dieser Gruppe holte 1998 die Theatergruppe Comic-On mit dem Stück "Abgedreht und Abgehangen" an die Schule.

Das Projekt wird mit einer neuen Ausbildungsgruppe fortgesetzt.

 

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