1. Pädagogisch-methodische Grundüberlegungen
Nur in einer Atmosphäre des Zutrauens und Vertrauens können Schüler
ihre Persönlichkeit, ihre Leistungsfähigkeit und ein angemessenes soziales Verhalten
entfalten. Sie müssen den Raum haben, ihre Stärken zu entwickeln, die Grenzen zu
erfahren und mit ihnen umgehen lernen.
Pädagogisches Leitziel für die Arbeit in der Erprobungsstufe ist es, eine erfolgsorientierte
Leistungsmotivation Grundzulegen und aufzubauen. Die Schüler sollen erleben, dass sie in
der Lage sind, erfolgreich zu lernen und gute Leistungen zu erzielen. So entwickelt sich
ein neues Selbstbewusstsein. Begabungen und Fähigkeiten, die zuvor von einer misserfolgsvermeidenden
Leistungsmotivation blockiert waren, werden frei und entwickeln sich.
Das setzt aber voraus, dass die Lernziele und Methoden sich an dem aktuellen und
realen Leistungsstand und Lernvermögen der Schüler orientieren.
Die bestimmenden methodischen Aspekte sind deshalb:
- Eingehen auf den individuellen Leistungsstand
- Wiederholung und Aufbau der in der Grundschule erlernten Inhalte
- Gründliches und behutsames Lernen in für den Schüler überschaubaren Sequenzen
- Konsequentes Einüben von Arbeitstechniken
- Fördernde und differenzierte Leistungsbewertung
Daraus ergeben sich gezielte innere Differenzierungen und selbstgesteuerte
Differenzierungen nach Fähigkeiten und Neigungen im Rahmen von Freiarbeit und
projektorientiertem Unterricht. Darüber hinaus ist Förderunterricht notwendig.
2. Schwerpunkte des Konzepts
Aus diesen Zielsetzungen ergeben sich methodische und organisatorische Konsequenzen.
2.1 Arbeit im Team
Ein kleines Lehrerteam arbeitet zusammen, unterrichtet parallel und trifft verbindliche
Absprachen. Der Klassenlehrer unterrichtet jeden Tag in seiner Klasse und deckt einen
hohen Stundenanteil ab. Ein weiterer in der Klasse unterrichtender Lehrer wird den
Schülern als Stellvertreter genannt.
2.2 Erprobungsstufenkonferenzen
Einmal pro Halbjahr treffen sich alle Klassenlehrer und Fachlehrer des Teams zu einem
Erfahrungsaustausch.
2.3 Förderunterricht
Im Förderunterricht werden Lerndefizite einzelner Kinder im Lesen/Rechtschreiben, in
Mathematik und Englisch ausgeglichen. Ebenso erfahren besonders leistungsstarke Kinder
individuelle Förderung.
2.4 Fördernde Lernumgebung
Die Ausgestaltung der Klassenräume soll zum Wohlbefinden der Schüler beitragen,
soziale Erfahrungen ermöglichen und ansprechende Lernmittel bereitstellen.
2.5 Freiarbeit
Freiarbeit ist als eine Form der Binnendifferenzierung mit 2 Stunden fest im
Stundenraster verankert.
In der Freiarbeit kann Lernen individualisiert werden. Die Schüler/innen bestimmen ihr
Lerntempo selbst. Lernerfolge werden auf den unterschiedlichsten Gebieten ermöglicht,
wobei das Selbstwertgefühl Auftrieb erhalten kann. Diese Erfolge können sich positiv auf
das Lern- und Arbeitsverhalten im übrigen Unterricht auswirken.
Freiarbeit lässt aber auch Spielraum für die nötige, individuelle Übung. Hier ist
besonders an die Schüler gedacht, die zu Hause wenig oder gar nicht die Möglichkeit der
Übung haben.
Freiarbeit kann ein Klima des vertrauensvollen Miteinanders schaffen.
Leistungsstärkere Kinder können in einer Umgebung, in der das soziale Lernen wichtig
ist, die Erfahrung machen, dass es Freude bereiten kann, anderen zu helfen. Andauernde
Konkurrenz kann so verhindert oder aber doch abgebaut werden.
3. Beispiel Deutschunterricht"
Leseförderung
Bereitstellen von Lesekisten als Begleitung der Lektüre oder des Sachunterrichts
Führen eines Lesetagebuchs bei Lektüren
Benutzung der Schülerbücherei
Besuch der Stadtbücherei
Vorlesestunden
Auswendiglernen kleiner Texte (Gedichte)
Ritualisierte Rechtschreibförderung
Aufbau eines Grundwortschatzes
Gezieltes Training mit Zwillingsdiktaten
Eigenständige Arbeit mit Nachschlagewerken
Förderung der Schreiblust
Sammeln von Schülertexten im Klassenlesebuch
Gestalten eines Schönschreibheftes
Entwicklung und Sicherung von Arbeitstechniken
Umgang mit Arbeitsmitteln
Bedienung und Anlegen von Ordnern in den Sachfächern (Inhaltsverzeichnis etc.)
Kontrollieren und Korrigieren eigener Fehler